Das freundlichste Erstgespräch ist nichts wert, wenn der Vertrag etwas anderes sagt. Diese sechs Punkte entscheiden darüber, ob du eine Partnerin bist — oder ein Gefangener.
Stand: Juli 2026 · Lesezeit: ca. 6 Minuten · Kein Rechtsrat — bei Unsicherheit anwaltlich prüfen lassen
Fast jede schlechte Agentur-Erfahrung beginnt mit einem Vertrag, der nicht richtig gelesen wurde. Das ist keine Schande — Agentur-Verträge sind oft absichtlich so geschrieben, dass die entscheidenden Punkte im Kleingedruckten verschwinden. Deshalb hier die sechs Punkte, die du in jedem Vertrag finden und verstehen musst, bevor du unterschreibst. Egal bei welcher Agentur. Auch bei uns.
„50/50" klingt eindeutig — ist es aber nicht. Die entscheidenden Fragen: Wird der Split vom Brutto-Umsatz berechnet oder von dem, was nach Plattform-Gebühren übrig bleibt? Werden Kosten (Tools, Werbung, Chat-Team) vorher abgezogen — und wenn ja, wer kontrolliert die? Gibt es Mindestbeträge oder Gebühren, die unabhängig vom Umsatz anfallen?
Sauber ist: eine klare Prozentzahl, eine klare Berechnungsgrundlage, keine versteckten Abzüge — und die Zahl stand schon im Erstgespräch fest, nicht erst im Vertrag.
Der wichtigste Punkt des ganzen Vertrags — denn ihn brauchst du genau dann, wenn das Verhältnis schlecht ist. Prüfe: Wie lang ist die Mindestlaufzeit? Verlängert sich der Vertrag automatisch (und wie lange)? Wie lang ist die Kündigungsfrist und in welcher Form muss gekündigt werden? Gibt es Vertragsstrafen oder „Ablösesummen" beim Ausstieg?
Faustregel: 12+ Monate Mindestlaufzeit ohne Ausstiegsklausel ist ein Knebel, keine Partnerschaft. Eine Agentur, die von ihrer Leistung überzeugt ist, hält dich mit Ergebnissen — nicht mit Paragrafen. Wenn du bereits in so einem Vertrag steckst: Hier erklären wir, wie du sauber wechselst.
Suche im Vertrag nach Begriffen wie „Rechteübertragung", „ausschließliche Nutzungsrechte", „Verwertungsrechte" und „Eigentum". Die einzige akzeptable Regelung: Account, Content und Künstlername gehören zu 100 % dir — die Agentur erhält einfache Nutzungsrechte für die Dauer der Zusammenarbeit, die mit dem Vertragsende erlöschen.
Alles andere bedeutet: Wenn du gehst, gehst du mit leeren Händen. Es gibt Verträge, nach denen die Agentur deinen Content nach deinem Ausstieg weiterverkaufen darf — mit deinem Gesicht. Unterschreib so etwas nie.
Der Vertrag (oder ein Anhang) sollte regeln, welche Zugänge die Agentur bekommt und — wichtiger — welche bei dir bleiben. Die E-Mail-Adresse, an der der Account hängt, das Passwort und die Zwei-Faktor-Authentifizierung gehören dir. Ebenso das Auszahlungskonto: Dein Umsatz sollte auf dein Konto fließen, von dem aus die Agentur ihren Anteil bekommt — nicht umgekehrt. Wenn das Geld erst bei der Agentur landet und sie dir „deinen Anteil überweist", hast du im Streitfall nichts in der Hand.
Was du zeigst und was nicht, welche Content-Arten für dich tabu sind, was mit Fans passiert, die Grenzen testen — all das gehört schriftlich in den Vertrag oder einen festen Anhang. Nicht, weil man sich nicht vertraut, sondern damit es später keine „das war doch anders besprochen"-Diskussionen gibt. Eine gute Agentur dokumentiert deine Grenzen am ersten Tag und behandelt sie danach als unverhandelbar. Wenn eine Agentur bei diesem Punkt abwinkt („das klären wir dann im Einzelfall"), ist das ein Warnsignal.
Der Punkt, an den vorher niemand denkt: Wie läuft die Übergabe, wenn die Zusammenarbeit endet? Sauber geregelt ist: Alle Zugänge werden zurückgegeben bzw. Passwörter von dir geändert, du erhältst deine Daten (Fan-Listen, Content-Archive, Auswertungen), und die Agentur löscht ihre Kopien deines Contents. Steht davon nichts im Vertrag, verlässt du dich beim Ausstieg auf den guten Willen einer Agentur, die du gerade verlässt — keine gute Position.
Mehr Warnsignale — auch die vor dem Vertrag — findest du in unserem Artikel „8 Red Flags, an denen du unseriöse Agenturen erkennst".
Wenn du bei einem Punkt unsicher bist: Lass den Vertrag anwaltlich prüfen. Die 200–400 € dafür sind nichts gegen das, was dich ein schlechter Vertrag über zwei Jahre kostet.
Wir sind ME.INDUSTRIE, ein Boutique-Management für Creatorinnen im DACH-Raum. Split im ersten Gespräch, faire Laufzeiten, alles bleibt dein Eigentum — und du bekommst so viel Zeit zum Prüfen, wie du brauchst. Gerne auch mit Anwalt.
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